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S P E C K G U E R T E L

Es gibt Orte, an denen wohnen Menschen. Es gibt Orte, an denen arbeiten Menschen. Es gibt Orte, an denen kaufen Menschen ein. Die Orte liegen dicht beieinander, doch sind sie voneinander getrennt, so dass sie zu gewissen Uhrzeiten wie ausgestorben wirken. Die Arbeitsteilung hat im Großen eine Lebensteilung mit sich gebracht.

Menschliche Orte definieren sich über ihre Nutzbarkeit. Dabei spielt der Ort an sich eine untergeordnete Rolle. Wesentlich an den Orten ist der Verwendungszweck. Industriegebiete zeigen das mit der ganzen Härte ihres Nutzcharakters. Die Ästhetik des Schönen ist einer Logik des Nützlichen gewichen und hat in gewisser Weise eine Ästhetik des Hässlichen hervor gebracht.

In meiner Arbeit SPECKGÜRTEL versuche ich mich der Ästhetik des Hässlichen zu nähern, ohne eine politische Stellung zu beziehen. Weder geht es mir um eine kritische Sicht auf ein allgemeines Konsumverhalten noch geht es mir um eine Überhöhung des Fortschrittsgedanken. SPECKGÜRTEL zeigt lediglich, was ich sehe und versucht, eine ästhetische Ordnung außerhalb der funktionalen Notwendigkeit sichtbar zu machen.

Das Stilmittel der Unschärfe ahmt die eigenartige Unsichtbarkeit dieser Orte nach. Man fährt nicht in Industrievororte, um sich Architektur anzuschauen, sondern um gezielt einzukaufen. Auf dem Weg wird das Umstehende nahezu nicht wahrgenommen, es verschwimmt und wird undeutlich. Die Unschärfe der Bilder ahmt das Sehverhalten nach. Durch das Wegfallen von Details ergeben sich Massen, die erst mittels der Unschärfe sichtbar werden. Der Blick klärt sich und gibt neue Strukturen zu erkennen. Strukturen, die, wie ich meine, eine ganz eigene Ästhetik aufweisen.

Die gesamte Arbeit ist von Anfang bis Ende analog entstanden. Für den Wettbewerb werden die s/w Negative allerdings eingescannt und hinsichtlich Gradation und Helligkeit bearbeitet. Eine nachträgliche Perspektivekorrektur ist nicht notwendig, da alle Bilder mit einer Fachkamera fotografiert wurden. Die gleichmäßige Unschärfe ist dank Standartenverschiebung möglich, so dass auch hier keine digitale Manipulation notwendig ist.

© Alescha Birkenholz

2015

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